Ein Umzug in eine neue Stadt bringt viele Möglichkeiten mit sich: Praktisch an jeder Straßenecke lauern spannende und interessante Entdeckungen. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, findet viele neue Motive.
Ein solcher besonderer Ort in meiner neuen Heimat Berlin ist für mich jetzt auch das ehemalige Funkhaus der DDR in der Nalepastraße zwischen Oberschöneweide und Rummelsburg. In dem großen Gebäudekomplex saßen vor der Grenzöffnung alle Rundfunkstationen der DDR. Mehr als 5000 Menschen arbeiteten zweitweise auf dem Gelände. Frisör, Konsum, Polyklinik, Tankstelle und sogar eine Sauna: Das Funkhaus bildete praktisch eine kleine Stadt in der Stadt.
Berühmt wurde es weltweit allerdings viel mehr durch seine Aufnahmestudios und die ausgezeichnete Akustik in den Räumen. Darin nahmen unter anderem Bands wie A-ha oder die Black Eyed Peas ihre Alben aus. Paul Kalkbrenner hat noch immer sein Studio in der Nalepastraße. Der große Aufnahmesaal 1, der für Einspielungen und inzwischen monatlich auch für öffentliche Konzerte genutzt wird, ist nach wie vor der größte Studiosaal der Welt. Er war lange Jahre auch Heimat des Filmorchesters Babelsberg. Zuletzt stellten Depeche Mode dort ihre neuen Songs vor.
Nach 1990 ging es dem Funkhaus aber wie vielen Ost-Immobilien: die Besitzer wechselten mehrfach. Dadurch fiel das Ensemble in einen Dornröschschlaf und die Zeit blieb im wahrsten Sinne des Wortes stehen. Wie auf den zahlreichen Uhren, die über den Türen und in den langen Gängen hängen und früher alle Mitarbeiter im gleichen Takt hielten. Der Zahn der Zeit hat sich tief in die Gebäude und das Gelände gefressen. Der morbide Charme zog sogar Hollywood-Starregisseur Steven Spielberg an, der einige Szenen für seinen Kalter-Krieg-Agentenfilm „Bridge of Spies“ im Hinterhof drehte.
Doch zwischen Schuttbergen und der ruhig dahinfließenden Spree erwacht der Komplex langsam wieder aus dem Schlaf. In vielen Teilen wird gebaut. Im Turm des größten Gebäudes ist zum Beispiel ein schickes Penthouse mit Panoramablick über den östlichen Teil Berlins entstanden. Die Milchbar lädt mit nostalgischem Charme, ihren sonnigen Plätzen und dem unverstellten Blick auf die Spree zum kühlen Getränk bei einem rustikalen Schnitzel ein. Die Shedhalle mit dem charakteristischen wellenförmigen Dach, in der ursprünglich die Übertragungswagen parkten, wird zu einer Veranstaltungslocation umfunktioniert. In den zurückliegenden Jahren fanden bereits kleinere Musik- und Kunst-Festivals auf dem gesamten Gelände statt. Damit soll das Funkhaus wieder mit Leben gefüllt und ein spannender Ort für kreative Köpfe werden.
Mehr Informationen wie zB den aktuellen Veranstaltungskalender gibt es auf der Homepage des Funkhauses sowie auf der Facebook-Seite.
Auch die Milchbar im Funkhaus hat eine eigene Facebook-Seite. Dort gibt es unter anderem die aktuellen Öffnungszeiten.



